Als die US-Fußballerin Megan Rapinoe sich bereits im Turnierverlauf der Fußballweltmeisterschaft 2019 klar gegen US-Präsidenten Trump positionierte, ihn mit klaren Worten sexistisch, rassistisch und „keinen guten Menschen“ nannte1, sorgte sie nicht nur für Aufsehen, sondern initiierte in Deutschland eine Debatte darüber, ob es Sportlerinnen und Sportlern nicht auch hierzulande gut täte, sich mehr zu politisieren.

In Kommentaren wie „Macht euren Mund auf!“2 oder „Sportler müssen sich mehr einmischen“3 werden Forderungen laut, dass sich auch deutsche Leistungssportler mehr in den politischen Diskurs einbringen sollen.
Bleibt die Frage, ob das tatsächlich im Interesse der Sportlerinnen und Sportler ist. Das ist deshalb nicht so einfach zu beantworten, da hier zum einen die Individualität der Sportpersönlichkeit zu berücksichtigen ist, aber auch das Geflecht, in dem sich die Sportlerinnen und Sportler bewegen. Eine Annäherung soll anhand von Für und Wider einer politischen Positionierung gelingen.

Was für eine politische Positionierung spricht:

  • Die Anzahl der Sportlerpersönlichkeiten, die anecken, die polarisieren, die sich bei Bedarf auch klar thematisch positionieren, nimmt subjektiv ab. In der Professionalisierung des Sports beschränkt sich die Vertragsbindung von und zu Sportlerinnen und Sportlern zunehmend. In der Verbindung mit den kürzeren Verweildauern müssen viele Sportlerinnen und Sportler ein gewogenes Verhältnis zu allen Anspruchsgruppen wahren. Dabei gerät eine meinungsstarke Personality zunehmend zum Alleinstärkungsmerkmal und somit auch zur Vermarktungschance.
  • Die gesellschaftliche Atmosphäre ist derzeit aufgeheizt und polarisiert. Der öffentliche Diskurs findet zum Großteil in den sozialen Netzwerken statt, wo Hass und Hetze den demokratischen Meinungsprozess untergraben. Der organisierte Sport steht für Werte wie Toleranz, Offenheit, Teamwork, Solidarität und Fairness. Diese Werte gilt es seitens der sportpolitisch Verantwortlichen als auch von Sportlerinnen und Sportlern zu verteidigen.
  • Charakterstarke Persönlichkeiten können ihr Profil weiter schärfen. Durch eine politische Positionierung kann auch eine erweiterte mediale Berichterstattung entstehen.

Was gegen eine politische Positionierung spricht:

  • Sport wird allgemein eine eher unpolitische Rolle zugeschrieben. Politische Gesten, Handlungen und Statements können nicht nur Fans und Anhänger verärgern, durch die Abfärbungseffekte können auch Botschaften von Sponsoren überschrieben oder konterkariert werden.
  • Es sollte ein Fit zwischen Positionierung und Persönlichkeit bestehen. Anders ausgedrückt: Sportlerinnen und Sportler, die sich politisch nur äußern, um sich zu äußern, verlieren an Glaubwürdigkeit. Wenn überhaupt positionieren, dann so, dass die geforderten Werte auch den gelebten Werten entsprechen.
  • Wer sich politisch äußert, muss mit dem Echo leben können. Das beginnt mit eventuellen Konflikten im Umgang mit Verbänden und Sponsoren und führt hin bis zum Shitstorm, der im Netz auf meinungsstarke Sportlerinnen und Sportler einprasseln kann.

Wichtig ist, dass Sportlerinnen und Sportler bei der Entscheidung gut beraten sind. Denn eine pauschale Entscheidung kann aufgrund der verschiedenen Charaktere unter Sportlerpersönlichkeiten nicht getroffen werden.

D3Smedia kann hier bei der Beratung helfen: Präzise. Empathisch. Zielgerichtet.

Quellen:
1 Nimm das, Trump!
2 Macht euren Mund auf!
3 Fechter Hartung: Sportler müssen sich mehr «einmischen»