Sport ist per Definition ergebnisoffen. Genau das ist ein Faktor, der hinsichtlich der Eventisierung von Sportevents zumeist vergessen wird. Im Gegensatz zu anderen Eventformen lässt sich der Ausgang eines Sportevents nicht planen. Eine besondere Rolle nehmen in diesem Kontext die Sportler selbst ein.

Als der letzte Punkt gespielt war, war auch die Stimmung der Zuschauer auf dem Tiefpunkt. Die Meisten im gut gefüllten Venue hatten sich mit Sicherheit sehenswerten Sport, gutes Entertainment, Spannung und ein gutes Maß an Abendunterhaltung gewünscht. Am Ende war nach 62 Minuten Spielzeit bereits Schluss und das zahlende Publikum enttäuscht. Da half auch das attraktive Rahmenprogramm nicht weiter.

Über die Rolle von Sportlern in der Eventisierung müsste man sich eigentlich wissenschaftlich annähern. Ein Blogbeitrag alleine reicht dazu nicht aus. Dennoch offenbart das initial geschilderte Beispiel bereits, dass eine Eventisierung vom Äußeren eines Sportgeschehens alleine nicht ausreicht, um ein emotional positiv besetztes Event zu gestalten. Der Sportler wirkt ebenfalls auf die Eventisierung des Sportgeschehens ein.

Im geschilderten Beispiel ging das Heimteam sportlich unter. Es war einer der Tage, an dem so gar nichts klappte. Das zeichnete sich auch im Verhalten der Sportler ab. Die Köpfe hängend, die Körpersprache sichtlich negativ, wenig bis gar keine Interaktion mit der Anfeuerung der Fans. Man merkte sichtlich, dass die Mannschaft so sehr mit sich selbst beschäftigt war, dass die Schnittstelle zum Publikum ausblieb. In der Wertschöpfungskette eines Sportevents könnte man festhalten, dass die Faktorkombination aus Zuschauern in der Halle zu den Akteuren auf dem Spielfeld ausblieb. Das führt zwangsläufig zu Einschränkungen im Eventgelingen (außer: man hat eine Fanbase, die so enthusiastisch ist, dass sie sich durch Choreografien, eigenständigem Anfeuern, etc. selbst bespaßt).

Sportlerinnen und Sportler sollten sich also bewusst machen, dass sie nicht nur Stimmung vom Publikum einfordern dürfen, sondern auch, dass Ihr eigenes Verhalten maßgeblich auf Zuschauer einwirkt. Man muss kein Wissenschaftler sein, um zu wissen, dass hängende Köpfe, Introvertiertheit, negative Mimik und Gestik sich nicht wohlwollend auf ein Sportpublikum auswirken werden. Im Gegenzug dazu hilft die Arbeit mit dem Publikum, z.B. breite, einladende Gesten, Auffordern zur Interaktion, feiern auch von kleinen Erfolgserlebnissen, das Publikum aktiv zu halten.

Denn eines ist klar: man kann insbesondere gegen favorisierte Gegner untergehen, es hilft aber allen Beteiligten, solch eine Niederlage besser zu verdauen, wenn man seine Anspruchsgruppen vor Ort dabei nicht aus dem Auge lässt. Diese Erkenntnis ist noch nicht überall im Leistungssport angekommen. Das sollte sie aber. Sie ist Teil einer Professionalität, die heute Spitzenathleten abgefordert werden muss. Positive Emotionen von außen wirken nur bis zu einem gewissen Maß. Der Sportler schlüpft – ob er will oder nicht – in einer zunehmend eventisierten Gesellschaft auch in die Rolle eines Bindeglieds zwischen Publikum und seinem Sport. Seine Rolle in der Eventisierung zu begreifen, schadet auch dahingehend nicht, dass eine auffällige Emotionalität auch unmittelbare Auswirkungen auf die Wahrnehmung seiner Athletenpersönlichkeit hat – dies kann ebenfalls sowohl negativ als auch positiv wirken.