Sportler nehmen in der verbalen und non-verbalen Kommunikation eine besondere Rolle ein. Nur häufig ist ihnen diese gar nicht bewusst. Daher haben wir fünf Kommunikationsperspektiven für Leistungssportler erarbeitet, über die sich als Athlet nachzudenken lohnt.

Als wir letzte Woche einen Kommunikationsworkshop für die Bundesligaspielerinnen des Volleyballclub Wiesbaden abhielten, sprachen wir sehr intensiv über die Rolle von Leistungssportlern in verschiedenen Kommunikationssituationen. Dabei haben wir festgestellt, dass die meisten Spielerinnen im Selbstbild davon ausgingen, als „ganz normale Menschen“ wahrgenommen zu werden. Die Rolle als Leistungssportler, als Idole und als Vorbilder mit den gleichzeitigen Handicaps, die mitunter von den Anspruchsgruppen unterbewusst aufgebürdet werden, waren hingegen nur wenigen Spielerinnen bewusst.

Dies führte nach Reflektion des Workshops für uns bei D3Smedia dazu, Leistungssportlern und Athleten, die im Fokus der Öffentlichkeit stehen, fünf Denkanstöße zu geben, mit welchen Augen diverse Personengruppen (Fans, Sponsoren, etc.) Leistungssportlerinnen und Leistungssportler, Spitzenteams und Einzelathleten wahrnehmen könnten.

1. Sportler verkörpern auch „privat“ sportliche Attribute

Sportler und Athleten liefern im Wettkampf Höchstleistungen und verkörpern dabei gewisse Attribute und Charaktereigenschaften: Stärke (physisch und mental), Extrovertiertheit, Dynamik, Hartnäckigkeit, Zielstrebigkeit, Erfolg, Geduld und zahlreiche weitere. Zumindest werden sie während des Wettkampfes so vom Publikum wahrgenommen. Da wir alle Menschen unterbewusst „absortieren“ und einordnen, liegt es nahe, dass das während des Wettkampfs entstandene Bild auch auf spätere Kommunikationssituationen übertragen wird. Auch wenn das dem „privaten“ Bild des Sportlers nicht entspricht.

2. Schüchterne Sportler werden fälschlicherweise als arrogant wahrgenommen

Setzt man diesen Gedankengang fort, erklärt sich schnell, warum ruhige oder schüchterne Athletencharaktere oft fehlinterpretiert werden. Schüchternheit drückt normalerweise eine Bescheidenheit und somit eigentlich einen als positiv eingeschätzten Charakterzug aus. In der fälschlichen Einschätzung, dass Sportler durch ihre Rolle jedoch automatisch die oben geschilderten Werte verkörpern, kann ein Missverständnis in der Wahrnehmung entstehen. Athleten, die natürliche Hemmungen haben, auf andere Menschen zuzugehen, werden plötzlich fälschlicherweise als distanziert oder arrogant (und somit unsympathisch) wahrgenommen, obwohl sie dies auf der reinen menschlichen Ebene gar nicht sind.

3. Menschen schauen zu Leistungssportlern auf

Das Dilemma setzt sich fort, denkt man über die Vorbildrolle von Sportlerinnen und Sportler nach. Athleten werden von Zuschauern, Fans und Sponsoren zumeist in einer Idolrolle beurteilt. Dies erscheint insofern logisch, dass Leistungssportler etwas geschafft haben, was die entsprechenden Gesprächspartner nicht geschafft haben: sich in die sportliche Elite einer Sportart zu kämpfen. Insofern wird ein Spitzensportler als privilegiert angesehen, als eine Person, zu der aufgeblickt wird. Dies kann sich auf bewusster (z.B. das Kind, das den Star mit leuchtenden Augen nach einem Autogramm fragt) oder unterbewusster Ebene (z.B. ein Sponsor, der sich nur vorsichtig in einen Small Talk wagt) abspielen.

4. Der Athlet kommuniziert öfter als sie oder er denkt

Diese Schlussfolgerung ergibt sich im Prinzip aus den vorangegangenen Perspektiven. Sportler, die ausdrucksstark und extrovertiert auf dem Feld agieren, kommunizieren mit den Anspruchsgruppen auch ohne ein einziges Wort mit ihnen gewechselt zu haben. Alleine die Mimik und Gestik im Sportgeschehen schafft eine Verbindung zum Publikum. Leistungssportler sollten sich dessen bewusst sein! Eine Schere zwischen extrovertiertem Sportler in der Arena zum „schüchternen Mäuschen“ außerhalb des Sportgeschehens sind in der Realität nicht selten. Dieser Wahrnehmungsschere sollten sich Athleten aber bewusst sein.

5. Perspektivwechsel wagen

Was für alle Menschen gilt, hat natürlich auch für Leistungssportler und Athleten seine Berechtigung: gelegentlich ist ein Perspektivwechsel hilfreich! Wie könnte sich der VIP während des Gesprächs mit dem Athleten fühlen? Was könnte ein kleines Kind mit Autogrammwunsch erwarten? Welche Rolle nehme ich ein, wenn ich mit Fans des Clubs rede? Wie ist meine repräsentative Funktion innerhalb eines Vereins gestrickt? Auch Leistungssportler und Athleten sollten den Mut zur Selbstreflektion haben. Auch weil es keine Schande ist, sich Entwicklungsbedarf einzugestehen! Unserer Ansicht nach haben nämlich auch Athleten ein Anrecht auf eine konstante Personal- und Persönlichkeitsentwicklung…

Wie sind Ihre Ansichten zu diesem Thema? Gehen Sie mit unseren vorgeschlagenen Perspektiven konform? Bitte lassen Sie uns Ihren Kommentar da…