Außenseiter brauchen Mut! —
Warum Sportarten mit geringer Medienpräsenz Mut zu unpopulären Entscheidungen haben sollten.

Gefühlt ist ganz Sportdeutschland in zwei Lager aufgeteilt. In das Lager des medial-omnipräsenten Fußballsports und den medial kaum vertretenen Restsportarten. Auch wenn dieser Blogeintrag keinen wissenschaftlichen Beleg für diese Wahrnehmung bietet, so berichten doch Fachmagazine und landläufige Printmedien immer häufiger über die vorhandene Disharmonie in der Berichterstattung.

Die mediale Einbahnstraße zwingt die Macher und Sportverbände zu manch ungewöhnlichen Maßnahmen und Reformvorschlägen, um die Sportarten wieder in die Öffentlichkeit zu spielen. So diskutiert der Eishockeysport eine Abkehr vom Closed-Shop-Prinzip hin zum Relegationsprinzip mit Auf- und Abstieg von der DEL und DEL 2 und vice versa, die Volleyball Bundesliga vergibt „Wildcards“ an potenzielle Oberklassenstandorte und etliche Sportarten knobeln an Regeländerungen, um die Dauer der entsprechenden Leistungsvergleiche häppchengerecht ans Fernsehen herantragen zu können.

Und genau das ist unserem Empfinden nach der korrekte Weg. Stillstand und das Beharren auf dem Status Quo einer Sportart werden die Medien nicht dazu bewegen, mehr Sendezeit in die entsprechende Sportart zu investieren. Stattdessen sind Innovationen und das Hinterfragen von teils jahrzehntealten Strukturen und Rahmenbedingungen gefragt. Neue Regeln, medienwirksame Spielzeiten und eine zuschauergerechte Präsentation und Eventisierung können den Weg zu den beliebten Fernsehzeiten deutlich erleichtern.

Das mag teilweise schmerzhafte Veränderungsprozesse in den jeweiligen Sportarten verursachen. Diese wiederum werden große Widerstände bei Sportlern und Fans als integrierte Anspruchsgruppen verursachen. Nichtsdestoweniger sollte die Argumentation und der Hintergrund von Medienwirksamkeit offen kommuniziert und der Dialog gesucht werden. Sehr häufig ist das Bewusstsein für einen Innovationszwang bereits bei Zuschauern, Unterstützern und Sportlern vorhanden.

Allerdings werden sich Verbände in ihren Entscheidungen auch nicht immer auf diese Veränderungsbereitschaft berufen können. Daher sind Verbände und Verantwortliche in diesem Veränderungsprozess auch als Autoritäten gefragt, um notfalls auch unpopuläre Entscheidungen treffen zu können. Denn eines ist klar: nur die Weiterentwicklung von Sportarten wird Argumente für zukünftige TV-Zeiten liefern. Und den Weg zurück in die Medien zu finden, liegt in der sportpolitischen Verantwortung der Entscheider, Macher und Verbände, sodass so manche unpopuläre Entscheidung das Überleben von so manch Spitzensportliga von medienpräsenzfernen Sportarten sichern könnte.