Das Thema Eventisierung im Sport ist in aller Munde. Mit aller Gewalt versuchen auch Sportarten fernab der massenmedialen Berichterstattung mit einer gelungenen Eventinszenierung die Publikumsmassen anzulocken. Und vernachlässigen dabei essentielle Grundlagen von Unterhaltung und Entertainment. D3Smedia-Geschäftsführer Daniel R. Schmidt hat in den letzten Wochen seine ganz eigenen Eindrücke gesammelt.

Wenn ich ein Sportevent besuche, plane ich mein Kommen möglichst nah an die Hallenöffnungszeit heran. Das hat aus Sicht eines Eventmachers zahlreiche Vorteile, die eigentlich auf der Hand liegen. Erstens sind die Wartezeiten an den diversen Eingängen zumeist recht kurz, zum Zweiten kann ich noch in aller Ruhe ein gastronomisches Angebot nutzen oder einfach nur Venueatmosphäre schnuppern und zum Dritten bekomme ich ein Gefühl dafür, wie viel der frühe Besucher dem Veranstaltungsmacher Wert ist.

Ich habe mir zahlreiche Sportarten im Großraum Rhein-Main in den letzten Monaten angesehen, vermehrt Hallensportarten wie Volleyball, Handball und Basketball. Die Rückschlüsse, die ich als Zuschauer dort gewonnen habe, waren teilweise ernüchternd.

Die Erlebnisse, die frühe Besucher in den diversen Venues erleben, stehen zum Teil in großem Widerspruch zum professionellen Anspruch der Eventmachenden. Bei diversen dieser Veranstaltungen, teilweise Bundesligaevents, wurde ich unter anderem Zeuge davon, wie nach Hallenöffnung die PA-Anlage mehr oder minder angenehm für den Zuschauer ausgepegelt wurde, DJs ihre Mischkünste im Fünfsekundentakt ausprobieren, Kinder in Mikrofone quaken oder – und dies in den meisten Fällen – schlichtweg gar nicht unterhalten wurde.

Es scheint in vielen Hallen die Philosophie zu gelten, wenn nicht mindestens eine gewisse Zuschauerzahl oder eine gewisse zeitliche Nähe zum Wettkampfbeginn herrsche, müssen man kein professionelles Entertainment bieten. Dies halte ich für fahrlässig!

Gerade die Impulsbesucherinnen und –besucher, die eine Sportart zum ersten Mal anschauen, und sich noch in der Opportunitätsentscheidung befinden, sind diejenigen, die explizit in der Pre-Game-Phase von dem entsprechenden Produkt des passiven Sportkonsums überzeugt werden müssen. Ebenso kann es nur im Interesse eines Eventmachers liegen, eine warme und freundliche Atmosphäre im Pre-Game zu schaffen, um möglichst viele Menschen zeitig in das Venue zu schleusen und so betriebswirtschaftliche Erträge durch Merchandising, Catering und Co. zu erzielen.

Dem entgegen mag eine Aufwand-Nutzen-Entscheidung stehen, die das Entertainment auf eine gewisse Zeit vor dem Anpfiff begrenzt. Um den Gedankengang nicht nur aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu beleuchten, sondern aus der Sicht des Servicegrades, sollten Sie sich um einen Perspektivwechsel bemühen.

Versetzen Sie sich in die Lage eines Besuchers. Stellen Sie sich vor, Sie besuchten ein Sportevent zum allerersten Mal. Sie sind eineinhalb Stunden vor Anpfiff in der Halle und blicken von der Tribüne auf das Feld. Rein von Ihrer Gefühlslage her: würden Sie nicht finden, dass Sie ein bisschen Unterhaltung verdienen?

Ich zumindest finde ja.

Ihr
Daniel R. Schmidt