Sie sind mittlerweile Teil unserer alltäglichen Kommunikationskultur: Emojis. Doch die niedlichen kleinen Stimmungsmarker können durchaus falsch aufgefasst werden und bergen so Raum für Fehlinterpretationen.

Schatz, mein Zug hat Verspätung, bin gleich da Emoji: Kuss

— Ein Alltagssatz, der tagtäglich über viele Smartphone-Messenger flimmern dürfte. Der Satz übermittelt aber mehr als nur eine Botschaft. Der Appell dürfte klar sein. Vielleicht so viel, wie „warte noch mit dem Essen“ oder „ich bin an meiner Verspätung nicht schuld“. Aber auch: „ich habe Dich lieb“ oder „ich liebe Dich“. Letzteres verdankt der Appell dem kleinen hinzugefügten Kussmund-Emoji, das mit seinem Herzchen mit Sicherheit eine positive Zuneigung ausdrücken mag.

Oftmals sind Emojis in seiner Interpretation nicht so eineindeutig. Das liegt zum einen an kulturellen Unterschieden, aber auch daran, wie wir persönlich Mimikunterschiede im Alltag auffassen.

Was die kulturellen Unterschiede angeht, lassen sich die großen Differenzen zwischen unseren zentraleuropäischen Vorstellungen und dem eigentlich angedachten Sinn einzelnen Emojis in deren Heimatland Japan erkennen. So „zweckentfremden“ wir heute einige Emojis, deren Bedeutung ursprünglich eine ganz andere war:

Emoji Eigentliche Bedeutung Häufige Fehlinterpretation
Emoji: Schlaf Schlafendes Gesicht Schnupfen, Traurigkeit
Emoji: Peinlich berührt Peinlichkeit, Beschämung Schock, Unglauben, Erstaunen
Emoji: Triumph Triumph Schnauben, richtig verärgert
Emoji: Pfeifend Pfeifend Küssend (wenn man das gleiche Emoji mit Herzchen nicht wenden möchte)
Emoji: Verärgert Verärgert, Grantig, Knurrig Entsetzen
Emoji: Erleichterung Erleichterung Müdigkeit
Emoji: Service Hilfsbereiter Mitarbeiter, guter Service Ist mir egal, „Hoppla!“, frecher Gedanke
Emoji: Beten Gefaltete oder betende Hände „High Five“
Emoji: I love you Gebärdensprache für „Ich liebe Dich“ „Rockergruß“
Emoji: Schwindel Schwindel, Benommenheit Sternschnuppe
Emoji: Tee (Grüner) Tee Suppe
Emoji: Wegrennen Schnelles Weglaufen (Comicsymbolik) Blähung

Der Fehldeutbarkeit nicht genüge: in unserem landläufigen Verständnis der Emojis können wir uns auch schnell ein Eigentor schießen, wenn wir uns nicht bewusst sind, welche Aussage und in der Folge auch Wirkung wir mit Emojis in Korrespondenz mit Menschen aus anderen Ländern auslösen. Beispiele hierfür sind:

Emoji Eigentliche Bedeutung Häufige Fehlinterpretation Relevante Sprachräume
Emoji: Nichts ist gut! Nichts ist gut! Tanz Überall außer Japan
Emoji: Müde Katze Müde Katze Schock US-amerikanisch, europäisch
Emoji: Sternzeichen Krebs Sternzeichen Krebs Sexualpraktik Kanada
Emoji: Häufchen Elend Mangasprache für „armes Häufchen Elend, das die ganze Zeit einen Freund sucht“ Kothaufen Japan
Emoji: Rainbow Regenbogen Keine Fehlinterpretation, aber auch als Symbol für die LGBTIQ-Bewegung Kritisch in arabischen Sprachräumen und Russland
Emoji: Aubergine Aubergine Männliches Geschlechtsorgan Nordamerika, Europa
Emoji: Pfirsich Pfirsich Weiblicher Po Nordamerika, Europa
Emoji: Frieden Geste für Frieden „Verpiss‘ Dich!“ Großbritannien
Emoji: Daumen hoch Daumen hoch, Zustimmung, „Gut gemacht“ Sexuelle, obszöne Anspielung Afghanistan, Iran, Irak, Nigeria
Emoji: Winkende Hand Winkende Hand „Wir sind keine Freunde mehr“ China
Emoji: I love you Gebärdensprache für „Ich liebe Dich“ Abergläubische Verfluchung oder gar sexuell anrüchige Abwertung Italien, Spanien, Portugal, Griechenland, Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Kuba und Urugay
Emoji: Alles ok Alles ok! Vulgäre Beleidigung Brasilien

Unterschiede in der Interpretation der Mimik können Sie selbst überprüfen, wenn Sie auf Ihrem Smartphone ähnlich aussehende Emojis miteinander vergleichen. Welche Nuancen sorgen hier für die unterschiedliche Wirkung? Mit welchen Attributen interpretieren ihre Freunde die gleichen Emojis? Seien Sie mutig und gleichen Sie das mal bei einer Tasse Kaffee mit Freundinnen und Freunden, Bekannten und Geschäftspartnern ab.

Sie sehen also: Emojis haben – genauso wie die Kommunikation im Allgemeinen – ein Potenzial für Fehlinterpretation. Das sollten Sie in Ihrer Kommunikation berücksichtigen und ruhig mal innehalten, bevor sie auf „Senden“ klicken. Das ein odere andere Emoji in fehlinterpretierbarem Kontext mag Ihrem Gegenüber übel aufstoßen.

Allerdings, und das ist die Ironie am Umgang mit Emojis, mag das auch der Fall sein, wenn Sie üblicherweise viel mit Emojis kommunizieren und diese dann an essentiellen Stellen weglassen.

« "Bewusstes Kommunizieren" zwischen Menschen setzt voraus, dass sie das "Unbewusste" miteinander gemein haben. »

Pierre Bourdieu, Sozialer Sinn